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Bilanz der Opferberatungsstelle „response“: Rechte Gewalt wird zu Gesellschaftsproblem


Seit einem Jahr arbeitet „response“ in Frankfurt – die erste Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt in Hessen. Jetzt zog die Organisation Bilanz und stellt ein großes Vorurteilspotenzial auch in der Mitte der Gesellschaft fest.

Logo von "response"
Logo von "response"

„response“ hilft Menschen, die von rechtsextremer, rassistischer, antisemitischer, antimuslimischer oder antiziganistischer Gewalt betroffen sind und ist Teil des "beratungsNetzwerks hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus". Die hessische Beratungsstelle in der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank Team berät, vermittelt, informiert und begleitet Betroffene, Angehörige und Freunde sowie Zeugen eines Angriffs.

Seit Februar 2016 seien rund 40 Anfragen eingegangen, mehr als 20 davon seien in eine intensivere Beratung gemündet, bilanzierte Leiterin Olivia Sarma das erste Jahr, berichtete die "Frankfurter Rundschau" über die Bilanzpressekonferenz. „Dabei gehen die tätlichen Angriffe immer häufiger von Menschen aus, die sich nicht der extremen Rechten zuordnen lassen und die sich auch selbst nicht als rechtsextrem bezeichnen.“

„Es gibt ein großes Vorurteilspotenzial in der Mitte der Gesellschaft“, sagte Reiner Becker, Leiter des an der Universität Marburg angesiedelten Demokratiezentrums im Beratungsnetzwerk Hessen, dem Auftraggeber von „response“. Der erstarkende Rechtspopulismus und die damit einhergehenden polarisierten gesellschaftlichen Debatten, etwa zur Flüchtlingspolitik, bildeten auch in Hessen zunehmend einen Nährboden für Diskriminierung und Gewalt.

„response“ berät laut Sarma häufig auch in Fällen, die nicht zur Anzeige gebracht wurden und sich entsprechend nicht in der Statistik des Landeskriminalamts niederschlagen. Das Spektrum reiche von rassistischem Mobbing im Wohnumfeld, Bedrohungen am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Verkehrsmitteln bis hin zu Polizeigewalt und tätlichen Angriffen auf offener Straße. In vielen Fällen sei antimuslimischer Rassismus Grund für Übergriffe und Beschimpfungen gewesen, auch Antisemitismus sei zweimal gemeldet worden, sagte Sarma.

Zudem sei ihr Team selbst aktiv geworden in bislang elf Fällen, von denen die Mitarbeiter etwa aus Presseberichten erfahren haben. Auf diese Weise habe „response“ beispielsweise Roma betreut, die Opfer mutmaßlich antiziganistisch motivierter Übergriffe geworden waren. Diese „aufsuchende Arbeit“ wolle Response mit seinem mehrsprachigen Beratungsteam ausbauen, da viele potenziell Betroffene, etwa die „besonders vulnerable“ Gruppe der Asylsuchenden, den Weg zu institutionalisierter Hilfe oft nicht alleine fänden.

Zweigstelle in Kassel geplant

Die derzeit fünf Beraterinnen und Berater von „response“ klären Betroffene über ihre strafrechtlichen Möglichkeiten auf, begleiten sie auf Wunsch durch Ermittlungsverfahren und Gerichtsprozesse und leisten psychosoziale Unterstützung. Dabei hinterfrage das Team Schilderungen nicht, sondern handele parteiisch und stärkend, sagte Sarma. Sie erläuterte, dass Betroffene rassistischer Gewalt oft ein zweites Mal zum Opfer gemacht würden – dadurch, dass ihnen nicht geglaubt oder der politische Hintergrund einer Tat abgewiegelt werde. Das führe zu einer „massiven Erschütterung“ des Selbstwert- und Sicherheitsgefühls der Betroffenen, die ohnehin oft schon viele Erfahrungen mit Alltagsrassismus gemacht hätten.

Über das Marburger Demokratiezentrum wird „response“ aus Bundes- und Landesmitteln finanziert. Durch eine deutliche Aufstockung der Landesmittel könne man in diesem Jahr eine Zweigstelle in Kassel einrichten, die voraussichtlich im September ihre Beratungsarbeit aufnehmen werde, kündigte Sarma an.

Quelle: http://www.fr.de/frankfurt/beratungstelle-response-frankfurt-hilfe-nach-rassistischer-gewalt-a-1244303