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Gefragte Hilfe: 2016 gab es Rekordzahlen im Beratungsnetzwerk Hessen


Die aktuelle Statistik zeigt für 2016 einen deutlichen Anstieg: 138 Beratungsfälle und 92 Präventionsangebote wurden registriert.

Aktuelle Jahresstatistik: Die Zahlen des Beratungsnetzwerks Hessen bei Beratung und Prävention haben sich von 2015 auf 2016 fast verdoppelt
Aktuelle Jahresstatistik: Die Zahlen des Beratungsnetzwerks Hessen bei Beratung und Prävention haben sich von 2015 auf 2016 fast verdoppelt

Im vorigen Jahr 2016 haben sich die Beratungs- sowie die Präventionsaktivitäten des beratungsNetzwerks hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt – so viele wie noch nie zuvor. Eine Ursache dafür sind u. a. zunehmende populistische Stimmungen und Polarisierungen in der Gesellschaft auch in Hessen.

Seit 10 Jahren gibt es in Hessen das über ein Bundes- und ein Landesprogramm finanzierte Beratungsnetzwerk Hessen. Es berät Hilfesuchende – Schulen, Eltern, Familienangehörige, Kommunen, Vereine, Diskriminierungsopfer und andere Betroffene – in Fällen von Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus oder Salafismus und bietet ein breites Spektrum entsprechender Präventionsmaßnahmen an. Das an der Uni in Marburg angegliederte Demokratiezentrum Hessen fungiert dabei als zentrale Anlauf- und Geschäftsstelle.

Rekordzahlen im Jahr 2016 registriert

Wie aus der aktuellen Jahresstatistik des Demokratiezentrums hervorgeht, erreichten die Fallzahlen des Beratungsnetzwerks Hessen im vergangenen Jahr 2016 mit 138 Beratungsfällen und 92 Präventionsangeboten einen bisherigen Höchststand seit Gründung des Netzwerks 2007. 2015 waren es noch 70 Beratungs- und 38 Präventionsfälle.
Erste Zahlen aus diesem Jahr zeigen, dass die Tendenz nach oben anhält; so wurden für das erste Quartal 2017 bereits 40 Beratungsfälle registriert.
In der Statistik sind im Übrigen nur die detailliert dokumentierten Fälle berücksichtigt; kleinere Anfragen oder telefonische Kurzauskünfte sind dabei nicht erfasst.
Polarisierung und Populismus: Mitursachen für gestiegenen Hilfebedarf

Ursache für den deutlichen Anstieg der Hilfenachfragen beim Beratungsnetzwerk Hessen sind nach Ansicht des Demokratiezentrums mehrere Faktoren: Zum einen die politisch geänderte Stimmung im vorigen Jahr mit einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft und die damit verbundene Unsicherheit bei vielen Menschen, zum anderen aber auch die größere Sensibilisierung der Bevölkerung sowie der gestiegene Bekanntheitsgrad des Netzwerks.

Warum wird Beratung gesucht?

Hauptanlässe für eine Beratung waren 2016 mit jeweils 18 % die Wahrnehmung rechtsextremer Gewalt und so genannte „Vorurteilskulturen“. Mit 13,3 % war rechtsextreme Propaganda mit NS-Verherrlichung, Hetze über das Internet, Aufklebern, Plakaten, Schmierereien oder rechtsextremem Infomaterial ebenfalls ein häufiger Grund für eine Beratung durch das Beratungsnetzwerk.

In 12,5% der Beratungsfälle 2016 waren organisierter Rechtsextremismus (rechtsextreme Kameradschaften, die NPD, die Partei „Der III. Weg“) oder rechtspopulistische Aktivitäten Anlass der Beratung (2015: 10,7 %). Zurückgegangen im Vergleich zu 2015 ist der Beratungsbedarf zum Thema Flucht und Asyl; das Thema Antisemitismus war dagegen deutlich häufiger Anlass für Menschen, sich an das Beratungsnetzwerk zu wenden, als 2015.


Prävention durch Fortbildungen, Workshops, Vorträge und Informationen

Seit 2015 gehören auch Präventionsangebote zum Aufgabenfeld des Beratungsnetzwerks Hessen. Dabei hat sich die Zahl der Präventionsprojekte im vorigen Jahr mit 92 Fällen im Vergleich zu 2015 (38 Fälle) mehr als verdoppelt. Es wurden überwiegend Fortbildungen und Workshops sowie Vorträge angeboten. Expertinnen und Experten des Beratungsnetzwerkes wurden außerdem zu zahlreichen Diskussionen und Fachgesprächen eingeladen. Umfangreiches Informationsmaterial ergänzte das Präventionsangebot.

Besonders nachgefragt wurden Präventionsangebote zu den Themen Rassismus (21,4 % der Angebote), Rechtsextremismus (19,9 %) und Flucht und Asyl (13,8 %). Dabei ging es beispielsweise um den Umgang mit (Alltags-)Rassismus sowie mit rassistischen und rechtsextremistischen Anfeindungen bei der Integration von Geflüchteten. Die Arbeit mit Geflüchteten stand in 7,7% der Präventionsmaßnahmen im Vordergrund. Auf größere Resonanz stießen auch Medienthemen (7,1 %), z. B. wie zur Radikalisierung durch das Internet, Online-Propaganda oder „Hate Speech“ in sozialen Medien.

BERATUNG UND PRÄVENTION 2016
Auswertung und Übersicht über die Tätigkeiten des beratungsNetzwerks hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus
Sophie Schmitt, Reiner Becker, Gerolf Nittner
herausgegeben vom Demokratiezentrum Hessen

>> hier als pdf zum Herunterladen