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Leipziger Autoritarismus-Studie: Fast jeder dritte Deutsche vertritt ausländerfeindliche Positionen


09.11.2018

Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland nimmt weiter zu – insbesondere im Osten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Langzeitstudie mit Ergebnissen zu autoritären und rechtsextremen Einstellungen in Deutschland.

Das Buch „Flucht ins Autoritäre“ von Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler fasst die Studienergebnisse zusammen. Foto: Universität Leipzig
Das Buch „Flucht ins Autoritäre“ von Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler fasst die Studienergebnisse zusammen. Foto: Universität Leipzig

Einzelnen ausländerfeindlichen Aussagen, wonach beispielsweise Ausländer den deutschen Sozialstaat ausnutzen oder die Bundesrepublik überfremden, stimmt im Osten fast jeder Zweite zu. Auch im Westen teilt knapp jeder Dritte diese Positionen. Das sind zentrale Ergebnisse der repräsentativen „Leipziger Autoritarismus-Studie“, vormals als „Mitte-Studie der Universität Leipzig“ bekannt. Sie wurde diese Wiche in Berlin von PD Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig in Kooperation mit der Heinrich-Böll- und der Otto Brenner Stiftung vorgestellt.

„Die Ausländerfeindlichkeit ist im gesamten Land immer stärker verbreitet, das zeigt unsere aktuelle Befragung ganz deutlich“, sagt Studienleiter Dr. Oliver Decker. Insgesamt stimmen 36 Prozent der Deutschen der Aussage zu, dass Ausländer nur hierherkommen, um den Sozialstaat auszunutzen (Ost: 47,1 Prozent, West: 32,7 Prozent).

„Einstiegsdroge“ in den Rechtsextremismus

„Damit beobachten wir hohe Zustimmungswerte für die Einstellung, die in der Forschung als ‚Einstiegsdroge‘ in den Rechtsextremismus gilt: Die Hemmschwelle, diesen rechtsextremen Aussagen zuzustimmen, ist besonders niedrig“, so Decker. „Wer rechtsextrem ist, wendet sich heute aber von der CDU und SPD ab“, so Elmar Brähler, „und findet seine neue Heimat bei der AfD.“ Im Vergleich zur letzten Erhebungswelle 2016 ist die geschlossene manifeste Ausländerfeindlichkeit, also der konsequenten Zustimmung aller Aussagen, angestiegen (2016: 20,4, 2018: 24,1). Besonders deutlich ist der Zuwachs in Ostdeutschland von 22,7 auf 30,9 Prozent.

Antisemitismus leicht rückläufig, Abwertung anderer Gruppen gestiegen

Die aktuelle Studie zeigt außerdem, dass der Antisemitismus weit verbreitet ist. Jeder Zehnte findet ausdrücklich, dass „Juden etwas Besonderes an sich haben und nicht so recht zu uns passen“, zusätzlich stimmen dieser Aussage 20 Prozent latent zu. In Westdeutschland gehen antisemitische Ansichten weiter zurück (2016: 5, 2018: 4,2). In Ostdeutschland steigen die Werte dagegen leicht an (2016: 4,1, 2018: 5,2). „Dennoch stimmen bis zu einem Drittel der Befragten antisemitischen Aussagen zumindest teilweise zu. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich antisemitische Denkmuster nach wie vor in gefährlichen Größenordnungen bewegen“, sagt Dr. Oliver Decker.

Zugleich ist die Abwertung von Gruppen angestiegen, die als „fremd“ oder „abweichend“ wahrgenommen werden: Die Aggression gegen Sinti und Roma, Asylbewerbern und Muslimen nimmt kontinuierlich zu. 60 Prozent der Deutschen stimmen der Aussage, dass Sinti und Roma zur Kriminalität neigen. Im Osten findet diese Position bei fast 70 Prozent Zustimmung.

40 Prozent haben Merkmale von Autoritarismus

Für die Wissenschaftler zählt Autoritarismus als Persönlichkeitseigenschaft zu einer der Hauptursachen für rechtsextreme Einstellungen. Menschen mit autoritärem Charakter neigen zu rigiden Ideologien, die es gestatten, sich gleichzeitig einer Autorität zu unterwerfen, an ihrer Macht teilzuhaben und die Abwertung anderer im Namen dieser Ordnung zu fordern. Rund 40 Prozent der Deutschen zeigen Merkmale eines autoritären Typus, nur 30 Prozent sind dagegen ausdrücklich demokratisch orientiert.

Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie gestiegen

Die gute Nachricht der Studie: Vor allem im Osten ist die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie von 27,3 im Jahr 2006 bis auf 46,9 Prozent heute angestiegen. „Es ist natürlich erfreulich, dass wir hier höhere Zustimmungswert e finden. Andererseits muss es aber zu denken geben, dass mit der tatsächliche n Praxis der Demokratie nur etwa die Hälfte der Befragten zufrieden ist“, sagt Dr. Oliver Decker.

Die Studie ist auch in Buchform erschienen.

Nähere Informationen >> https://www.uni-leipzig.de/service/kommunikation/medienredaktion/nachrichten.html?ifab_modus=detail&ifab_id=7983

Quelle: https://idw-online.de/de/news705489