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  • Demokratiezentrum
  • Hessen
  • Wilhelm-Röpke-Str. 6
  • 35032 Marburg

Unser Leitbild


1. Identität, Auftrag, Werte, Ziele

Dem beratungsNetzwerk hessen gehören zahlreiche Mitglieder unterschiedlicher staatlicher, nicht-staatlicher und kirchlicher Institutionen, Organisationen, öffentlicher und freier Träger aus Hessen an, die es sich gemeinsam zur Aufgabe gemacht haben, Beratung bei Konfliktsituationen mit einem rechtsextremistischen, antisemitischen, antiziganistischen oder rassistischen Hintergrund sowie anderer Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit vor Ort anzubieten. Das beratungsNetzwerk hessen unterteilt sich in die Berater/-innen der Mobilen Interventionsteams, den Expertenpool, die Landeskoordinierungsstelle und die Lenkungsgruppe.
Die Verfestigung rechtsextremistischer, antisemitischer, antiziganistischer und rassistischer Strukturen oder anderer Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Gemeinwesen und deren Einflussnahme auf die Einstellung der Bürger/-innen bedrohen die demokratische Grundordnung unserer Gesellschaft. Dies kann zu konflikthaften Situationen führen, in denen die Betroffenen als auch die vor Ort zuständigen Ansprechpartner/-innen ratlos reagieren.
Um Konflikte vor Ort selbständig und den lokalen Bedingungen angemessen bewältigen zu können, ist eine fachgerechte Beratungshilfe von außen notwendig. Unsere Beratung erfolgt mit dem Ziel, zivilgesellschaftliches Engagement zu fördern und Konzeptionen, Strukturen und Handlungsstrategien gemeinsam mit den Beratungsnehmer/-innen vor Ort zu entwickeln, die das demokratische Gemeinwesen unterstützen und demokratiegefährdenden Tendenzen in Hessen vorbeugen bzw. entgegentreten. Dies umfasst:

  • anlassbezogene, schnelle, unbürokratische und professionelle Beratung zur Lösung von Konfliktsituationen vor Ort,
  • die Begleitung von Prozessen durch
    • Unterstützung in der Entwicklung von kommunalen Interventionskonzepten, durch die künftig Konfliktsituationen bewältigt werden können,
    • Unterstützung in der Erstellung von ressourcen- und sozialraumorientierten Präventionskonzepten, die zur Stärkung des demokratischen Gemeinwesens beitragen.

2. Adressatinnen und Adressaten

Wir beraten die, die von rechtsextremistischen, antisemitischen, antiziganistischen oder rassistischen Vorkommnissen oder von anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffen sind, Personen und Institutionen, Träger und Organisationen, wie:

  • Kommunalverwaltungen,
  • Jugend- und Sozialarbeit,
  • Schule, Bildungsträger,
  • Eltern und andere Bezugspersonen,
  • Träger der Stadtteilarbeit,
  • Träger aus den Bereichen Immigration und Integration, Kultur,
  • Wirtschaft und Medien,
  • Kirchen, Religionsgemeinschaften,
  • Vereine und Verbände,
  • Projekte und Facharbeitskreise, Initiativen und Netzwerke.

3. Fähigkeiten, Leistungen und Ressourcen

Im beratungsNetzwerk hessen arbeiten qualifizierte Ansprechpartner/-innen mit spezifischem Wissen im Themenfeld Rechtsextremismus, mit Qualifikation im Beratungskontext sowie mit personalen Kompetenzen.

Unser Beratungsangebot orientiert sich an den jeweiligen Anforderungen eines Beratungsfalls und an den Bedarfen der Beratungsnehmer/-innen. Die Beratung ist kostenlos. Die Beratung findet als „Hilfe zur Selbsthilfe“ statt (self-empowerment). Die Beratung erfolgt zeitnah und aufsuchend. Sie bietet den Beratungsnehmer/-innen weiterführende Informationen, Unterstützung in der Entwicklung neuer Handlungsperspektiven und hat die Vernetzung von lokalen Akteuren zum Ziel.
Die Berater/-innen der Mobilen Interventionsteams werden von den Mitgliedern des Expertenpools und der Landeskoordinierungsstelle unterstützt, die ihre fachlichen Ressourcen und Kompetenzen für die einzelnen Beratungsleistungen schnell und unbürokratisch zur Verfügung stellen.

4. Definition gelungener Beratung

Unser Beratungsangebot richtet sich an Personen, Vereine, Schulen, Kommunen oder andere Einrichtungen und Institutionen, die von Rechtsextremismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus oder von anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffen sind und Hilfen zur Problembewältigung benötigen.
Beratung gelingt, wenn unsere Beratungsnehmer/-innen neue Handlungsmöglichkeiten gewinnen, für die spezifischen Problemlagen sensibilisiert werden, hierzu mehr Wissen erlangen und somit eine Erweiterung der persönlichen Perspektive erfahren. Die Beratung ist lösungs- und zielorientiert und ermöglicht den Beratungsnehmer/-innen den Blick nach vorne. Sie gelingt, wenn potenzielle Beteiligte in den Beratungsprozess einbezogen werden: sie ist somit gemeinwesenorientiert und fördert bürgerschaftliches Engagement.
Die Beratung entlastet subjektiv unter Druck stehende Beratungsnehmer/-innen und trägt dafür Sorge, dass die individuell empfundenen Belastungsmomente dahin übergeleitet werden, dass die Verantwortung für die Problembewältigung von mehreren Schultern getragen wird.
Die Beratung legt Wert auf Nachhaltigkeit und orientiert sich dabei am Self-Empowerment-Ansatz. Damit Beratung in dieser Weise gelingt und zur Wohlberatenheit der Beratungsnehmer/-innen führt, bedarf es folgender Voraussetzungen:

  • Qualifizierte Beraterinnen und Berater,
  • Optimale Unterstützungsleistungen für die Berater/-innen durch die Landeskoordinierungsstelle und durch die Mitglieder im Expertenpool,
  • eine transparente Darstellung der Beratungsleistungen,
  • einen Beratungsauftrag und Vereinbarungen zwischen Berater/-innen und Beratungsnehmer/-innen über die Beratungsziele,
  • Reflexion der Beratungsprozesse,
  • Evaluation der Beratungsprozesse,
  • Fort- und Weiterbildungen.

Für unser Beratungsverständnis ist es grundlegend, dass die Beratungsnehmer/-innen als Expert/-innen ihrer eigenen Lebenswelt verstanden werden und sich die Gestaltung des Beratungsprozesses an den jeweils individuellen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Ressourcen ausrichtet.
Die Beratung analysiert die Problemlage aus verschiedenen Perspektiven. Sie kontextualisiert diese und zeigt den Beratungsnehmer/-innen bisher ungenutzte Ressourcen, angemessene Kooperationsmöglichkeiten und mögliche Interessenkonflikte auf. Sie sorgt für einen wertschätzenden und respektvollen Umgang aller Beteiligten in einem vertraulichen Rahmen. Dies geschieht durch eine offene und moderierende Beratung, mit einer Äquidistanz der Berater/-innen zu allen Beteiligten des Beratungsprozesses.

5. Selbstverständnis im beratungsNetzwerk hessen

Zum Gelingen einer professionellen Beratungsarbeit tragen viele Mitglieder unterschiedlicher staatlicher Institutionen, Organisationen, öffentlicher und freier Träger im beratungsNetzwerk hessen bei. Für die Zusammenarbeit im beratungsNetzwerk hessen wird vorausgesetzt:

  • Alle Mitglieder bringen ihre Kompetenzen ein, die ungleich der Herkunft der Träger wichtig für das Gelingen der Beratungsarbeit sind. Die jeweiligen eigenen Interessen der staatlichen Institutionen, Organisationen, öffentlichen und freien Trägern, die sie in das beratungsNetzwerk hessen mit einbringen, sind dem gemeinsamen Ziel einer gelingenden Beratungsarbeit untergeordnet.
  • Die Arbeit des beratungsNetzwerks hessen erfolgt transparent und offen für alle Mitglieder. Die Transparenz und Offenheit wird gewährleistet durch den regelmäßigen Informationsaustausch, die Berichte der Landeskoordinierungsstelle und die standardisierten Verfahren der Analyse, Dokumentation und Evaluation. Die Landeskoordinierungsstelle, die Mitglieder des Expertenpools sowie die Berater/-innen sind zu einer vollständigen und sorgfältigen Dokumentation der Beratungsleistungen verpflichtet.
  • Alle Mitglieder im beratungsNetzwerk hessen sind offen für die interne Kommunikation und für die schnelle und unbürokratische Hilfestellung untereinander.
  • Die Landeskoordinierungsstelle und die Mitglieder des Expertenpools zielen mit ihren Aktivitäten auf optimale Unterstützungsleistungen für die Arbeit der Berater/-innen.
  • Die „im Feld“ gewonnenen Daten sowie die intern ausgetauschten Informationen unterliegen der Vertraulichkeit. Daten aus Beratungsfällen werden im beratungsNetzwerk hessen nur anonymisiert verwendet.
  • Alle Mitglieder des beratungsNetzwerks hessen tragen dazu bei, in ihrem jeweiligen Handlungsfeld das Beratungsangebot bekannt zu machen.

6. Das Leitbild verpflichtet

Dieses Leitbild für die Arbeit im beratungsNetzwerk hessen ist für alle Mitglieder verpflichtend. Verstöße gegen die hier formulierten Leitlinien gefährden das Beratungsnetzwerk substanziell. Mit der Verabschiedung des Leitbilds verpflichten sich alle Mitglieder des beratungsNetzwerks hessen ihren Beitrag für das Gelingen des Beratungsangebots zu leisten. Eine Nichtbeachtung des Leitbilds kann zum Ausschluss aus dem beratungsNetzwerk hessen führen.

Dieses Leitbild wurde einstimmig am 17. Juli 2014 von den Mitgliedern des beratungsNetzwerks hessen im Rahmen des 25. Vernetzungstreffens in Bad Nauheim beschlossen.