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„Verlorene Mitte – Feindselige Zustände“: neue Studie zum Rechtspopulismus in Deutschland


26.04.2019
Rechtspopulistische Einstellungen sind nach wie vor Teil der deutschen Gesellschaft. Mit 21 Prozent neigt jeder Fünfte deutlich zu rechtspopulistischen Meinungen, bei 42 Prozent lässt sich eine Tendenz dazu feststellen, wie die aktuelle sogenannte „Mitte-Studie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ergibt, die gestern vorgestellt wurde.
Cover der neuen "Mitte-Studie" der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung
Cover der neuen "Mitte-Studie" der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung
Die aktuellen Ergebnisse der FES-Studie mit dem Titel „Verlorene Mitte – Feindselige Zustände“ machen aber auch deutlich: Der Großteil der Deutschen befürwortet die Demokratie, begrüßt die Vielfalt der Gesellschaft und fordert eine Stärkung der EU. Doch zugleich äußert ein Drittel auch nicht-liberale Einstellungen zur Demokratie, stellt gleiche Rechte für alle infrage.

Insgesamt ergibt sich aus der repräsentativen Befragung von 2018/19 das Bild einer Verfestigung und Normalisierung rechter Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft. Dabei ist die Zustimmung zu menschenfeindlichen Vorurteilen in denen letzten fünf Jahren nahezu unverändert. Das gilt vor allem für Abwertungen gegenüber Zugewanderten, Muslim*innen und für Antisemitismus, die seit 2014 hoch sind.
Negative Einstellungen gegenüber Asylsuchenden haben sogar zugenommen: Jede zweite befragte Person stimmt negativen Meinungen gegenüber Asylsuchenden zu. Dies ist noch einmal im Vergleich zu 2016 angestiegen, obwohl die Zahl der Asylsuchenden im Befragungszeitraum rückläufig ist. Hingegen sind Sexismus, die Abwertung homosexueller und wohnungsloser Menschen eher rückläufig.

Auch Verschwörungsmythen finden generell in der Bevölkerung großen Zuspruch. 46 Prozent der Befragten meinen, geheime Organisationen würden politische Entscheidungen beeinflussen, und jede/r zweite Befragte traut eher den eigenen Gefühlen als Expert*innen, nahezu ein Viertel der Befragten mutmaßt, Medien und Politik steckten unter einer Decke.

Mit Blick auf die politischen Orientierungen der Befragten bestätigt sich ein Trend: Wie in den Vorjahren neigen potenzielle Wähler*innen der AfD auffallend häufig zu menschenfeindlichen, rechtspopulistischen und rechtsextremen Einstellungen, so die Forscher.

Insgesamt macht die Studie deutlich: Vordergründig findet sich eine hohe Zustimmung zur Demokratie, die aber zugleich von antidemokratischen und antipluralistischen Überzeugungen begleitet wird. Die Mitte verliert ihren festen Boden und ihre demokratische Orientierung.

Für die neue Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Verbreitung von rechtsextremen, menschenfeindlichen und weiteren antidemokratischen Meinungen in der Gesellschaft hatte ein Forschungsteam des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld (IKG) eine wissenschaftliche Umfrage unter 1.890 repräsentativ ausgewählten Deutschen durchgeführt.

Weitere Informationen zur Studie: https://www.fes.de/forum-berlin/gegen-rechtsextremismus/mitte-studie/

Quellen:
https://www.fes.de/presse/aktuelle-pressehinweise/neue-mitte-studie-verlorene-mitte-feindselige-zustaende-rechtsextreme-einstellungen-in-deutschland-201819/
https://www.welt.de/politik/deutschland/article192427319/Rechtspopulismus-Jeder-zweite-Deutsche-negativ-gegen-Asylsuchende-eingestellt.html
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/mitte-studie-die-wichtigsten-erkenntnisse-100.html?fbclid=IwAR3xXlBzI_adLYoYA_8p0SLj7iKjFQTiz1j9lsnZSi1SzlB1l2m563B3zYM