Aktuelle Studie: Schlierspuren des Rechtspopulismus reichen bis weit in die Mitte hinein

24.6.2021

Anlass zu Hoffnung wie zu Sorge: Laut der neuen „Mitte-Studie“ sind offen rechtsextreme Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft zwar weniger verbreitet als noch vor zwei Jahren, gleichzeitig lasse aber die klare Abgrenzung gegenüber demokratiegefährdenden Meinungen nach.

Cover der aktuellen

Cover der aktuellen „Mitte-Studie“ 2020/2021

Die neue  „Mitte-Studie 2020/2021“ mit dem Titel „Die geforderte Mitte“ der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Universität Bielefeld wurde am Montag veröffentlicht und zeigt: Selten war die Mitte so gefordert wie heute, denn klare demokratische Grundhaltungen weichten auf.

Der Rückgang rechtsextremer Einstellungen steht laut Studienmitautorin Beate Küpper nur scheinbar im Widerspruch zu dem Anstieg von offenen und gewalttätigen rechtsextremen Ausbrüchen. „Denn die Mitte ist aufgewacht.“ So geben rund 70 Prozent der Befragten an, dass der Rechtsextremismus die größte Bedrohung für die Gesellschaft sei, noch vor dem Klimawandel, sozialer Spaltung und der Coronapandemie.

Gleichzeitig sei zu beobachten, dass die „Schlierspuren des Rechtspopulismus“ bis weit in die Mitte hinein reichten. Eine zunehmende Zahl der Befragten stimme selbst Aussagen, die hart rechtsextremistisch formuliert wurden, in Teilen zu. Dies deute auf eine zunehmende Anschlussfähigkeit eindeutig rechtsextremer Aussagen in der Mitte der Gesellschaft hin.

Die Mitte-Studien der Stiftung erscheinen seit 2006 alle zwei Jahre. Für die aktuelle Erhebung wurden 1.750 deutsche Staatsbürger telefonisch zu ihrer Zustimmung zu bestimmten Aussagen hinsichtlich rechtsextremer und demokratiegefährdender Einstellungen befragt. Zum ersten Mal wurden auch Einstellungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel abgefragt.

Mit 72 Prozent sieht sich die große Mehrheit als überzeugte Demokraten, doch wächst der Anteil von Befragten, deren Antworten hinsichtlich der Demokratie ambivalent sind oder gar demokratiefeindliche Einstellungen teilen. Viele stimmen nicht eindeutig zu, lehnen die Aussagen aber auch nicht klar ab. So befürworten lediglich etwa 2,2 Prozent der Befragten eine rechtsgerichtete Diktatur, doch mehr als 15 Prozent befinden sich mit ihren Antworten in einem Graubereich zwischen Zustimmung und Ablehnung.

Die Aussage: „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“ werde beispielsweise von 18,4 Prozent der Befragten für eher oder voll zutreffend bewertet, weitere 16,4 Prozent antworten mit „teils/teils“.

„Populismus ist auch in Teilen der Mitte anschlussfähig und die Mitte kann bei auch dort schwelenden Ressentiments abgeholt werden“, heißt es in der Studie.“ Besonders stark verbreitet seien populistische und rechtsextreme Einstellungen dort, wo die Anzahl der AfD-Anhängerinnen und Anhänger besonders hoch sei.

Die Studie kann man sich hier herunterladen >> https://www.fes.de/forum-berlin/gegen-rechtsextremismus/mitte-studie-2021

Ergebniszusammenfassung >> https://www.fes.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=65488&token=b89a7f2201fede8c6afb9782017dcbafdafcbfde


Quellen und weitere Infos >>

https://www.tagesschau.de/inland/mittestudie-101.html

https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/mitte-studie-demokratie-kostet-anstrengungen

https://taz.de/Studie-ueber-rechtsextreme-Einstellungen/!5777677/

https://www.fr.de/politik/wer-sich-fuer-demokratie-einsetzt-erlebt-hass-90818900.html